Famulatur in Nepal – Gynäkologie und Geburtshilfe

Nepal, Pokhara, Manipal Teaching Hospital (03.03.-02.04.2025)

Ich habe meine vierwöchige Famulatur vom 03.03.2025 bis 02.04.2025 im Manipal Teaching Hospital in Pokhara, Nepal, absolviert. Es war eine wunderbare und zugleich abenteuerliche Zeit, die ich gerne mit Euch teilen möchte.

Warum Nepal?

Nepal hatte mich schon immer fasziniert. Ein kleines Land, das vor allem durch seine beeindruckenden Berge bekannt ist und vollkommen anders als alle Länder, in denen ich bereits war. Es ist ein Ort von atemberaubender Schönheit, weniger chaotisch als Indien, aber dennoch eine völlig neue und einzigartige Erfahrung!

Pokhara, Nepal, mit grandiosem Blick auf den Mt Machapucharé

Pokhara, Nepal, mit grandiosem Blick auf den Mt Machapucharé

Ich hatte lange nach einem passenden Krankenhaus für meine Famulatur gesucht und mich schlussendlich für das Manipal Teaching Hospital in Pokhara entschieden. Es ist ein Lehrkrankenhaus des Manipal College of Medical Sciences, was wiederum zur Manipal Education and Medical Group, MEMG, gehört und auch in Verbindung mit der University in Kathmandu steht. Mir wurde die Famulatur so problemlos anerkannt in Berlin. 

Die neue Intensivstation am Manipal Teaching Hospital in Pokhara, Nepal

Die neue Intensivstation am Manipal Teaching Hospital in Pokhara, Nepal

Das Manipal Teaching Hospital ist ein großes, privates Krankenhaus mit einer breiten Palette an medizinischen Fachbereichen, darunter Kardiologie, Chirurgie, Gynäkologie und Pädiatrie. Es gibt zudem eine moderne Intensivstation sowie eine Privatstation und natürlich eine Notaufnahme. Diese Vielfalt an Abteilungen ermöglichte es mir, Einblicke in verschiedene medizinische Disziplinen zu erhalten, was die Famulatur besonders abwechslungsreich und lehrreich machen sollte.

Der Bewerbungsprozess

Die Bewerbung war wahrscheinlich das Schwierigste im gesamten Prozess. Das Manipal Teaching Hospital hat verschiedene Websites und auch das Manipal College hat ebenfalls mehrere, daher aufpassen, da es mehrere Manipal Hospitals auch in Indien gibt. Zudem werden, je nach Programm, überall verschiedene Ansprechpartner angegeben. Ich hatte mehrere E-Mails an verschiedene Adressen und Ansprechpartner geschickt und musste dies auch wiederholen. Irgendwann meldete sich ein zuständiger Ansprechpartner, der sich dann auch um das meiste kümmerte.

Es ist wichtig, in der Kommunikation klar zu machen, wer man ist und was man erwartet. Inzwischen ist der Bewerbungsprozess deutlich einfacher geworden, da immer mehr internationale Medizinstudierende, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum, ihre Famulatur oder ihr Praktisches Jahr (PJ) im Manipal Teaching Hospital absolvieren. Dies hängt auch mit einer Organisation zusammen, die Komplettpakete für Famulaturen und PJs in Pokhara anbietet. In den Semesterferien trifft man viele andere internationale Studierende und auch ich konnte während meiner Zeit vor Ort zahlreiche Kontakte knüpfen. So gestaltete ich auch meine Freizeit teils mit den anderen Studierenden und auch die Zeit im Krankenhaus wurde mit ihnen deutlich einfacher.

Außerdem ist noch wichtig, dass mittlerweile eine Gebühr von den internationalen Medizinstudierenden verlangt wird. Bei mir waren es noch 300 USD, dies ist aber nun auf 350 USD für vier Wochen gestiegen. Bei Verlängerung um zwei Wochen, kommen weitere 175 USD dazu.

Meine Vorbereitung

Während meinen Vorbereitungen hatte ich mich auch über notwendige Impfungen und Medikamente informiert. Im Tropenmedizininstitut wurde ich ausführlich beraten und entschied mich am Ende für die Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis Impfungen. Zusätzlich nahm ich auch ein Medikament gegen Malaria mit, was ich jedoch nicht eingenommen habe. Vor Ort hatte ich dann vor meiner Trekkingtour in der Annapurna Region ein Medikament gegen die Höhenkrankheit gekauft. Dieses nahm ich ein, als wir eine Höhe von über 3.000m erreicht hatten. Damit hatte ich während der Wanderung keinerlei Probleme mit der Höhe. 

Für das Hospital würde ich empfehlen, zwei bis drei Arztkittel und einige Kasacks mitzunehmen. Im OP werden welche gestellt, doch für die Arbeit auf den Stationen, sollte man welche dabeihaben. Zusätzlich würde ich auch genügend Desinfektionsmittel, ich hatte 500ml dabei, Mückenspray mit Deet, Wasserfilter oder Chlortabletten für die Wasserreinigung beim Trekking und ausreichend Sonnencreme mitnehmen. 

Mein traumhafter Gleitschirm Flug über Pokhara und den Phewa Lake

Mein traumhafter Gleitschirm Flug über Pokhara und den Phewa Lake

Das notwendige Visum hatte ich nicht online beantragt, da dies oft nicht funktionierte. Ich habe, wie die meisten anderen Touristen, dass Visum „on arrival“ im Flughafen beantragt. Es war sehr einfach am Automaten in der Eingangshalle möglich und sogar in Euro am Schalter bezahlbar. Man brauchte lediglich zwei Passfotos, seinen Reisepass und genügend Geld. Ich habe für das 90 Tage Visum ca. 100 Euro gezahlt.

(Anm. d. Red: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Meine Famulatur am Manipal Teaching Hospital in Pokhara

Ein paar Tage vor dem offiziellen Beginn meines Praktikums hatte ich mich noch einmal bei dem für mich zuständigen Ansprechpartner gemeldet, der mir den Ablauf für den ersten Tag erklärte. Zu Beginn wurde ich von einer Mitarbeiterin im Foyer abgeholt und zu seinem Büro gebracht. Dort fand ein kurzes Gespräch statt, bei dem ich meine Wunsch-Fachbereiche angeben konnte und ein Namensschild erhielt. Danach gab es einen Rundgang in die verschiedenen Bereiche. Besonders beeindruckt war ich von der Intensivstation, die sehr modern und neu eingerichtet war. Auch die Privatstation, die gerade erst fertiggestellt wurde und ebenfalls sehr modern war, wurde mir gezeigt.

Anschließend wurde ich zu meinem ersten Wunschbereich, der Gynäkologie, gebracht. Leider war der erste Tag etwas enttäuschend. Es gab keinen festen Ansprechpartner auf der Station und es fanden an diesem Tag keine Kaiserschnitte statt. Ich versuchte, mit verschiedenen Ärzt*innen ins Gespräch zu kommen, aber entweder wurden meine Fragen verwirrt oder gar nicht beantwortet. Dies war frustrierend. Also suchte ich nach ein paar Stunden Zuflucht im Krankenhaus-Café, wo ich andere deutsche Medizinstudierende traf. Sie hatten ähnliche Erfahrungen gemacht und waren ebenfalls enttäuscht. So tranken wir leckeren Lemon Tee und tauschten uns über unsere Erlebnisse aus.

Eine der zahlreichen Operationen

Eine der zahlreichen Operationen 

In den folgenden Tagen gingen wir teilweise zusammen auf die gynäkologische Station oder in den OP. Wir durften einige Kaiserschnitte miterleben und durften bei einem Verbandswechsel helfen. Außerdem durften wir im Basic Labor Blut abnehmen und bei der Analyse von Sputum und Blut dabei sein. Im OP gab es verschiedenste Operationen in mehreren Sälen und dort konnte man immer dabei sein und zuschauen. Je nach Arzt wurde einem dabei mehr oder weniger erklärt und gezeigt.

Mit etwas Geduld und Eigeninitiative konnte man mit verschiedenen Ärzt*innen ins Gespräch kommen und sie bei ihren Tätigkeiten begleiten. Allerdings war die Sprachbarriere oft ein Problem und das gegenseitige Interesse war häufig anders, als ursprünglich vermutet. Viele Ärzt*innen schienen mehr an meinem Leben in Deutschland oder meinen Reisen interessiert zu sein als daran, mir medizinisches Wissen zu vermitteln. Zudem hörte ich, dass man bei einigen Ärzten vorsichtig sein sollte und seine Handynummer nicht jedem geben sollte.

Mit der Zeit lernte ich einige sehr nette nepalesische Ärztinnen kennen und habe dann mit ihnen die Tage verbracht. Allerdings muss man sagen, dass die Ärztinnen und Ärzte auch oft wenig zu tun hatten und viel mit Dokumentationen oder Lernen beschäftigt waren. Dies liegt auch daran, dass das Krankenhaus privat geführt wird, sodass viele Zimmer nur kurz besucht waren oder komplett leer standen. Besonders in der Geburtshilfe war wenig los, da die meisten Geburten in Nepal zu Hause oder in lokalen Community-Krankenhäusern stattfinden.

Die anderen Medizinstudierenden, die die Famulatur mit der Organisation gebucht hatten, besichtigten auch das Manipal College mit dessen Anatomie und Lehrgebäuden, das Biochemistry Laboratory im Krankenhaus, ein Primary Health Care Centre und den Basic Science Campus. Ich schloss mich bei einigen Besichtigungen an und kann empfehlen, seinen zuständigen Ansprechpartner immer wieder nach solchen weiteren Möglichkeiten zu fragen. Während meiner Zeit in Nepal gab es auch ein Community Project, das von nepalesischen Medizinstudierenden organisiert wurde. Diese fuhren regelmäßig zu Familien und Schulen in den Vororten von Pokhara, um dort Untersuchungen durchzuführen. Ich schloss mich einigen dieser Ausflüge an und besonders bei einem Schulbesuch fühlten wir uns wirklich integriert. Wir durften die Kinder zusammen mit den nepalesischen Medizinstudierenden untersuchen und man hatte endlich das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles und Lehrreiches zu machen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Nepal vieles möglich ist, aber alles von extrem viel Eigeninitiative abhängt. Ich hatte mir erhofft, leichter mit den nepalesischen Ärzt*innen ins Gespräch zu kommen, was sich leider schwieriger gestaltete als erwartet. Nach einiger Zeit ließ meine Motivation nach, mich weiterhin so intensiv anzustrengen, und ich genoss eher das Leben außerhalb des Krankenhauses.

Das Leben in Nepal

Nepal an sich ist wirklich großartig und so blieb ich nach dem Ende meiner Famulatur auch noch weitere 12 Tage im Land. Es bietet so viele Möglichkeiten und ist einfach wunderschön. Ich hatte in einem Airbnb an der „Lakeside“ gewohnt, was sich allerdings nicht mehr auf der Seite finden lässt, sonst hätte ich es angegeben. Dort gab es alles – Supermärkte, Shops für Wanderbekleidung und Bergsteigerequipment, Souvenirläden, viele Cafés und Restaurants, Apotheken, ein OpenAir Kino und Yoga Retreats. Hier kann ich vor allem das „Vegan Way“, das „Himalayan Java“ und das „The Juicery Café“ empfehlen. Generell kommt man mit Roller-Taxis, sehr günstig, oder normalen Auto Taxis überall hin und kann viel erleben. In den Apotheken bekommt man alles, was man so brauchen kann, von Antibiotika über Mittel gegen Magen-Darm-Infekte, Parasitenbefall bis hin zu Medikamenten gegen die Höhenkrankheit.

Das Annapurna Base Camp in Nepal auf 4.130m Höhe

Das Annapurna Base Camp in Nepal auf 4.130m Höhe 

In meiner Freizeit war ich wandern im Annapurna Gebirge und habe den berühmten „ABC Trek“ gemacht – absolut empfehlenswert! Es war wahnsinnig anstrengend, aber jeder einzelne Schritt hat sich gelohnt. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse in meinem Leben!

Zurück in Pokhara war ich außerdem Gleitschirm fliegen, was auch fantastisch war! Zudem habe ich mehrere Yogastunden besucht und einen „Momo Kochkurs“ gemacht. In meiner Freizeit war ich auch mehrmals im Kino und habe sogar einen Abend im Club gefeiert.

Die Nashörner im Chitwan Nationalpark in Nepal - ein unvergessliches Erlebnis

Die Nashörner im Chitwan Nationalpark in Nepal – ein unvergessliches Erlebnis

Zusammen mit anderen Studentinnen, die ich während meiner Reise kennengelernt habe, ging es dann noch in den „Chitwan-Nationalpark“. Wir hatten anfänglich einige Bedenken, da manche von angeketteten Elefanten und eingesperrten Tigern in winzigen Käfigen berichtet hatten. Dies konnten wir zum Glück nicht bestätigen, wir hatten allerdings eine ganz Tages Safari ohne Elefanten Sanctuary oder ähnliches gebucht. Der Tag begann super früh. Wir überquerten einen Fluss, in dem Krokodile schwammen, in einem wackligen Boot und stiegen anschließend in einen offenen Geländewagen. Unser Guide war fantastisch und zeigte uns viele interessante Orte, an denen Tiger gesichtet werden könnten – leider hatten wir an diesem Tag kein Glück.  Dafür konnten wir umso mehr Nashörner beobachten, einige sogar mit ihren Jungtieren. Es war ein unvergessliches Erlebnis. 

Auf nach Kathmandu – ein großer Traum wird wahr!

Nach knapp fünf Wochen in Pokhara fuhr ich dann nach Kathmandu. Dabei kann man entweder einen kurzen Flug von ca. 45-60 Minuten für 80-100 USD nehmen, dies hatte ich auf dem Hinweg nach Pokhara so gemacht, oder eine sehr lange, aber günstige Busfahrt von ca. 8-12 Stunden für 10 USD. Ich entschied mich auf dem Rückweg für den Bus, der jedoch mit sehr bequemen Sofasitzen ausgestattet war. So war die lange Fahrt sehr gut auszuhalten. Bei den Flügen würde ich auch generell aus Sicherheitsgründen darauf achten, mit welcher Airline man die Strecke nach Pokhara zurücklegt und sich genau erkundigen, was die Sicherheit betrifft.

Kathmandu mit seinen vielen beeindruckenden Tempeln und Stupas

Kathmandu mit seinen vielen beeindruckenden Tempeln und Stupas

Kathmandu ist im Vergleich zu Pokhara deutlich chaotischer, lauter und hektischer. Es ist viel los und man kann viel entdecken. Ich hatte eine ganz Tages Tour gebucht, bei der verschiedene Squares und Tempel besichtigt wurden. Es war wirklich spannend, aber auch ein sehr langer Tag. 

In Kathmandu habe ich mir auch „Thamel“ angeschaut – ein lebendiges Viertel voller Cafés, Restaurants, Hostels und Touristen. Ich habe noch einige Souvenirs und günstige Wanderkleidung für zu Hause gekauft. In Kathmandu hatte ich auch in einem sehr schönen, günstigen Hotel geschlafen – dem „Everest Boutique Hotel“. Ganz große Empfehlung. Es war super sauber, hatte wunderschöne Zimmer mit gepflegtem Bad und ein sehr leckeres, vielfältiges Frühstück. Außerdem kann ich empfehlen, tibetisch Essen zu gehen. Es ist nochmal anders als das typische nepalesische und indische Essen und auch super lecker. 

Atemberaubender Blick auf den Mount Everest mit Lhotse und Nuptse

Atemberaubender Blick auf den Mount Everest mit Lhotse und Nuptse 

An meinem letzten Tag habe ich mir noch einen großen Traum erfüllt und buchte einen Rundflug über die Everest Region. Ich hatte Glück mit dem Wetter. Der Smog war nicht zu stark, denn manchmal ist er so dicht, dass man den Himmel nicht sehen kann, und die Sicht war einfach traumhaft. Wir flogen direkt über den Mount Everest und die umliegenden Berge, und ich hatte so viele Gänsehaut-Momente. Es war ein unvergessliches Highlight meiner Reise und der perfekte Abschluss. 

Mein Fazit

Abschließend kann ich jedem eine Reise nach Nepal nur wärmstens empfehlen. Es ist ein faszinierendes Land, das mit seiner Vielfalt an Abenteuern und seiner einzigartigen Natur und Kultur wahrlich ein Traum ist! Ob man jedoch unbedingt eine Famulatur dort machen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. In meiner Zeit vor Ort habe ich trotz vieler Herausforderungen und Anstrengungen wertvolle Erfahrungen sammeln können und es war zweifellos eine prägende und eindrucksvolle Zeit. Letztlich war jedoch nicht die Arbeit im Krankenhaus, sondern vor allem die Zeit außerhalb des medizinischen Alltags mit den vielen unvergesslichen Erlebnissen das, was diese Reise so besonders gemacht hat.

V.W. 

Berlin, November 2025