Famulatur in China – Kardiologie

China, Wuhan, Tongji Hospital (01.03.-29.03.2026)

Meine Famulatur am Tongji Hospital in Wuhan und die Organisation, in die man dafür Zeit und Mühe investiert, haben sich für mich vollkommen gelohnt. Einen Blick in das chinesische Gesundheitssystem und den Klinikalltag zu bekommen sowie darüber hinaus, China selbst zu erkunden und die Kultur kennenzulernen, ist etwas, das ich in dieser Form vermutlich nie wieder erleben werde. Wenn ich die Chance für so eine Famulatur noch einmal hätte, würde ich nicht zögern und es wieder machen! 

Motivation

Warum ins Ausland gehen und eine Famulatur absolvieren? Genau dies hatte ich mich gemeinsam mit meinen Freunden gefragt. „Wann schreibt man sich ein? Wo kann man sich denn überhaupt dafür melden und bewerben? Wie läuft die Organisation im Ausland ab?“ Das waren die Fragen, die ich mir gestellt habe.

Ursprünglich wollte ich alle meine Famulaturen in Hamburg absolvieren. Mit der Zeit kam bei meinen Freunden jedoch die Frage auf, ob es nicht doch spannend wäre, eine Famulatur im Ausland zu machen. Andere hatten bereits Famulaturen im Ausland gemacht und andere wollten auch ihr PJ im Ausland absolvieren. Es sind schließlich Erfahrungen, die man vielleicht nie wieder machen kann. Für solche Vorhaben bleibt später im Leben oft nicht mehr viel Zeit.

So gingen wir zu einem Vortrag über Auslandspraktika im Rahmen des Medizinstudiums, den Herr Peter Karle, Chefredakteur von Medizinerlaufbahn.de, 2024 auf dem „Kongress Operation Karriere“ am UKE in Hamburg hielt und hatten danach bereits erste Fragen zu möglichen Zielen. Nach einem ersten ausführlichen Gespräch im Rahmen seiner bundesweiten telefonischen Sprechzeit über Ziele in Asien, vor allem über Japan, erfuhr ich ein paar Wochen später bei einem weiteren Telefonat zudem von der Möglichkeit, eine Famulatur in Wuhan in China am Tongji Hospital zu absolvieren. Nach etwas Bedenkzeit nahm ich mir dann vor, es wenigstens zu versuchen und mir einen Famulatur-Platz in Wuhan zu sichern.

Vorbereitung und Bewerbung

Nachdem ich von Herrn Karle, er hält seit vielen Jahren Vorträge, auch Online-Vorträge, zum Thema „Famulatur und PJ im Ausland“ , netterweise die Kontaktdaten der leitenden Ansprechpartnerin im International Office in Wuhan bekommen hatte, schrieb ich Anfang 2025 direkt eine Bewerbung mit der Frage, ob ich eine Famulatur am Tongji Hospital machen könne. Es dauerte einige Wochen, bis ich eine Antwort erhielt, aber dann war mein Platz schon fast sicher zugesagt.

Chongqing Hongya Cave am frühen Abend

Chongqing Hongya Cave am frühen Abend

Neben dem genauen Zeitraum und der Fachrichtung, in der ich die Famulatur machen wollte, musste ich mich noch direkt bei der DCGM, der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin, bewerben. Dies lief unkompliziert ab und man musste ein Bewerbungsgespräch in Heidelberg absolvieren, das eher formeller Natur war. Es wurde nach meiner Motivation, meiner Person und meinen Erwartungen an die Famulatur gefragt. Danach wurde mir noch genauer erklärt, wie der organisatorische Ablauf weitergehen würde. Dass die Unterkunft und die Verpflegung in Wuhan seitens der Huazhong University of Science and Technology (HUST) beziehungsweise der DCGM gestellt werden würden, war für mich eine große Überraschung.

Nachdem nun alle Bewerbungsunterlagen abgegeben und das Gespräch geführt worden waren, war ich mit der Organisation fast fertig und musste nur noch das Flugticket nach China buchen. Meine Famulatur konnte nun beginnen.

Impfungen und geforderte ärztliche Untersuchung

Vom International Office erhielt man per E-Mail genaue Informationen darüber, was organisatorisch alles im Vorfeld zu erledigen war. Für die ärztliche Untersuchung gab es theoretisch ein separates Formular, das für deutsche Austauschstudierende jedoch nicht nötig war. Stattdessen brauchte man nur ein ärztliches Attest, dass man körperlich und psychisch gesund und in der Lage ist, die Famulatur zu absolvieren.

Spezielle Impfungen, die man nicht ohnehin schon im Rahmen des Studiums oder der arbeitsmedizinischen Untersuchungen bekommen hatte, waren nicht erforderlich. Wenn man an den Wochenenden wandern gehen oder sich in anderen Gebieten Chinas aufhalten möchte, kann man beim Tropenmediziner nachfragen. Ich hatte dies gemacht und mir eine Tollwut- sowie eine Japanische-Enzephalitis-Impfung geben lassen, da ich später im Sommer sowieso noch nach Japan reisen wollte. Die meisten Krankenkassen übernehmen solche Reiseimpfungen sogar.

Visum und abenteuerliche Anreise!

Für eine Famulatur oder einen PJ-Abschnitt in Wuhan beziehungsweise generell in China benötigte man ein spezielles Studentenvisum, in diesem Fall ein X2-Visum für Famulaturen und PJ. Dieses kann bei allen chinesischen Konsulaten oder Visazentren beantragt werden. Genaue Informationen und auch eine Erinnerung erhält man vom International Office in Wuhan. Das Visum selbst kostete etwa 130 Euro und man sollte ungefähr wissen, wann man einreist und wann man wieder ausreist.

Falls man mit dem Gedanken spielt, an Wochenenden außerhalb Chinas zu reisen oder zwischendurch noch andere Länder zu besuchen, kann man das nicht einfach im Visum eintragen lassen. Es ist nur für eine einmalige Einreise nach China für den angegebenen Zeitraum gültig. Es hatten andere Famulanten versucht, genau dies zu machen. Auf dem Visum im Reisepass steht außerdem noch einmal, bis wann man eingereist sein muss. In der Regel sind dies 30 Tage nach Ausstellung des Visums. Genau das wurde mir nicht gesagt und so kam es bei mir zu einer recht unangenehmen, aber auch abenteuerlichen Hinreise!

Flugticket und Visum waren fertig und es ging mit dem Flugzeug von Berlin aus nach Peking. Ein an sich angenehmer Flug, der dann aber noch unangenehm weiterging. Am Pekinger Flughafen wartete morgens um 6:00 Uhr mein Inlandsflug Richtung Wuhan. An der Einwanderungskontrolle wurde mein Studentenvisum geprüft und mehrere Personen vom Personal schauten mein Visum skeptisch an. Ich wartete zunächst völlig unbekümmert und erwartete nichts Besonderes, wurde aber nach einigen Minuten doch nervös, weil es immer länger dauerte. Mein Visum und meine Unterlagen waren ja schließlich alle da und vorgezeigt hatte ich alles. Doch der Schock war, dass ich sechs Stunden zu spät eingereist war. Für mein Visum hätte ich bis zum 28.02. einreisen müssen, ich kam aber am 01.03. um 6:00 Uhr morgens an!

Nach langen, nervenaufreibenden Gesprächen mit dem International Office in Wuhan, den Beamten und mir war klar, dass ich mit diesem Studentenvisum vorerst nicht mehr einreisen konnte. Ich war geschockt, voller Adrenalin, müde und musste mich trotzdem sammeln und meine nächsten Schritte planen. Mir blieben ein paar Optionen, wie es weitergehen könnte. Dass ich die Famulatur absolviere, war definitiv klar!

Also musste ich irgendwie recht spontan aus China ausreisen und wieder neu einreisen, um ein neues Visum zu bekommen. Ich buchte mir mit Mühe und den letzten Nerven noch ein Ticket Richtung Hongkong, um von dort aus nach Wuhan und damit erneut nach China einzureisen. Zum Glück konnte ich mit dem deutschen Pass auch für einen Monat ohne Visum einreisen!

Nach diesem unbeabsichtigten Abenteuer und vielen Stunden im Flugzeug kam ich schließlich in Wuhan übermüdet und völlig fertig an! Dort wartete der nächste Schock auf mich! Mein Koffer stand noch in Peking, da er offensichtlich nicht mit meinem ursprünglichen Flug transportiert worden war. Der Clou war, dass der Grenzbeamte, der mir die Einreise in Peking verweigert hatte, mir nicht erklärt hatte, dass mein Koffer in Peking blieb und ich ohnehin keine Möglichkeit gehabt hätte, ihn zu holen, weil ich dafür in den Kofferabholbereich hätte gehen müssen, was wiederum eine Einreise nach China erfordert hätte.

Nach mehr als 35 Stunden Anreise war ich schließlich in Wuhan angekommen und wurde von Tommy, dem Ansprechpartner seitens der Universität, abgeholt.

Meine ersten Tage in Wuhan

Nach der Fahrt vom Flughafen Wuhan zum medizinischen Unicampus, der direkt neben dem Tongji Hospital liegt, wurde mir das Wohnheim gezeigt. Nach dieser anstrengenden und mühsamen Anreise musste ich mich erst einmal sammeln. Am Tag darauf bekam ich eine kleine Führung, bei der mir der Campus, das Krankenhausgelände und die Ärztin vorgestellt wurde, die ich in den nächsten vier Wochen in der Kardiologie begleiten durfte.

Alle waren sehr bemüht, freundlich und wirklich interessiert! Bei Fragen und Anmerkungen konnte man die Kontaktpersonen anschreiben, die meist recht zügig antworteten und immer einen Lösungsvorschlag hatten!

Das Wohnheim war für alle internationalen Studierenden da. Neben Famulanten sah man dort auch andere Studierende, die in Wuhan ihren Bachelor oder Master absolvieren wollten. Die Zimmer im Wohnheim waren für chinesische Studierende verhältnismäßig sehr gut. Man bekam ein eigenes Zimmer mit Bad. Das Zimmer selbst war recht groß und man hatte genug Platz, um es sich gemütlich zu machen. Einzig das Bett war ziemlich hart und die Decke sehr dünn. Das sollte man beachten. Eigentlich ist es üblich, dass pro Zimmer mehrere chinesische Studierende wohnen.

Meine Famulatur in der Kardiologie am Tongji Hospital in Wuhan

Am ersten Tag meiner Famulatur in Wuhan am Tongji Hospital des Tongji Medical College der University of Science & Technology gab es eine kleine Führung durch das Krankenhaus und die Stationen der Kardiologie. Diese ist groß, aber auch vergleichbar mit der meiner Uniklinik. Pro Station gibt es mehrere Teams, die aus festem Personal bestehen: einem Professor, mehreren Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenschwestern.

Täglich gab es die Visite, bei der ich mitging. Diese war natürlich auf Chinesisch, sodass ich nur bedingt anhand von Symptomen und Gestik erahnen konnte, worum es gerade ging. Im Arztzimmer selbst wurden die Fälle dann aber ausführlich auf Englisch erklärt! Mir wurde erläutert, warum der Patient auf die Station kam, welche Anamnese bereits vorlag, welche Untersuchungen gemacht wurden und welche Medikamente verordnet waren. Neben bekannten Medikamenten, wurden landeseigene oder in Asien in der Kardiologie genutzte Medikamente angewendet. Außerdem wurde immer erklärt, was der aktuelle Plan war, welche Medikamente geändert werden müssen, welche Untersuchungen noch ausstehen und welche Eingriffe bevorstehen. Zugleich konnte ich mein Wissen nutzen und mit der Ärztin besprechen, wie man bei welcher Krankheit vorgehen würde. Es war praktisch ein „UaK“, also ein Unterricht am Krankenbett, mit einer eins-zu-eins Betreuung!

Blick auf das Tongji Hospital in Wuhan – China

Sicherlich hätte ich auch fragen können, ob ich bei Operationen oder anderen Eingriffen zusehen darf. Da ich dies aber schon häufig in anderen Famulaturen und im Studium gesehen hatte, wollte ich eher wissen, wie der Arztalltag am Tongji Hospital ist und welche Unterschiede es sonst gibt. Die Überstunden blieben ähnlich oder waren mehr. So gingen meine Tage in der Klinik von 8:00 Uhr bis zunächst mittags. Nachmittags gab es manchmal Seminare oder Vorlesungen für die chinesischen Medizinstudierenden, die ich besuchen konnte. Aufgrund der Sprachbarriere blieb ich aber oft lieber mit der Ärztin auf Station und ließ mir weitere Befunde erklären oder habe mir weitere Fälle angeschaut. Man war dort seitens der Ärztin recht frei und musste je nach Bedarf und Interesse selbst entscheiden, was einen interessierte. 

Seitens der Universität gab es außerdem noch andere außerklinische Angebote wie z.B. einen Chinesisch Kurs oder weitere Veranstaltungen, da man offiziell als Austauschstudierender und nicht nur als Famulant galt.

Die kardiologische Ambulanz konnte ich mir ebenfalls anschauen und war beeindruckt! Es war kein Vergleich zu dem, was man in Deutschland kennt. Es war so voll wie ein Bahnhof zur „Rushhour“, mit riesigen Schlangen vor den Türen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Es wurde in Rekordarbeit untersucht, eine Diagnose gestellt und der erste Schritt der Therapie oder eine Einweisung gegeben. So konnte ich innerhalb von zwei Stunden mehr als 40 Fälle sehen. Die Ambulanzen waren in drei Bereiche unterteilt. Einen Bereich, der ähnlich wie eine Ticketverkaufsstelle für die Medikamentenabholung aussah, einen Bereich für die Bezahlung der Untersuchungen und mehrere Räume für die Ärztinnen und Ärzte. Alles war brechend voll mit Patienten!

Mittags traf ich mich meistens mit den anderen Famulanten in der Mensa. Das Essensangebot war mit meiner Mensa nicht zu vergleichen. Es gab deutlich mehr zur Auswahl und preislich war es, wobei ich sowieso nichts bezahlen musste, sehr günstig. Nur als Vegetarier/Veganer wird es schwierig, dort etwas zu finden. 

Man hatte zudem während der Famulatur die Möglichkeit zu fragen, ob man für einzelne Tage auch andere Bereiche sehen könne. Viele wollten zur TCM oder in Bereiche, die man selbst noch nicht gesehen hatte. Es wurde immer versucht, solche Extrawünsche möglich zu machen.

Unterschiede zu Deutschland: Arztleben, Klinik und Medizinstudium

Während meiner Famulatur am Tongji Hospital in Wuhan hatte ich die Möglichkeit, mit meiner Ärztin über das Arztleben, die Klinik und das Medizinstudium in China zu sprechen. Beim Arztleben gab es nicht allzu große Unterschiede. Es wird im Schichtdienst gearbeitet und man spezialisiert sich auf eine Fachrichtung. Besonders ist, dass die Spezialisierungen deutlich spezifischer sind als hierzulande. Wenn man beispielsweise in die Radiologie geht und nur noch Befunde der Hand macht, dann macht man tatsächlich nur noch das. Bei der Anzahl an Ärztinnen/Ärzten und Patient*innen ist dies möglich, aber es macht die Arbeit natürlich auch extrem monoton. Dies ist nur ein Extrembeispiel.

Das Tongji Hospital in Wuhan ist ein Maximalversorger mit mehreren tausend Betten, in dem alle Fachdisziplinen vertreten sind. Anders als hierzulande finden sämtliche ambulanten Behandlungen, Erstgespräche und Ähnliches auch dort statt, anstatt in Arztpraxen zu gehen. Entsprechend ist das Patientenaufkommen pro Tag extrem hoch. Ein großer Unterschied auf den Stationen ist, dass die Krankenschwestern ärztliche Tätigkeiten wie Blutabnahmen, Vitalzeichen und EKG-Schreiben übernehmen, aber kaum pflegerischen Tätigkeiten. Diese werden von den Angehörigen übernommen, die meist im Zimmer mitschlafen oder sich abwechseln, ebenso die Hygiene der Patienten und die Verpflegung. Die Ärztinnen und Ärzte wiederum schreiben, wie hierzulande, im Arztzimmer nach der Visite ihre Briefe, Anforderungen und Befunde. Eine Besonderheit ist, dass die Patienten bei Fragen oder zur Aufklärung ins Arztzimmer gehen, das auch durchgängig offen ist.

Zuletzt ist das Medizinstudium in China anders strukturiert. Im Vorhinein muss man entscheiden, in welcher Größenordnung einer Klinik man später arbeiten möchte. Danach richtet sich auch, wie lange man studiert. Jemand, der an einer Universitätsklinik arbeiten will, macht ein achtjähriges Studium, während jemand, der in einer kleineren Klinik arbeiten möchte, nur fünf Jahre Medizin studiert. Auch hier setzt man auf das Bachelor-Master-System, wodurch es witzigerweise zu Verwirrung mit meiner Ärztin kam, was ein Staatsexamen überhaupt sei.

Das Leben außerhalb der Klinik

Wuhan ist eine der größten Metropolen Chinas und verbindet moderne Architektur mit viel traditionellem Stadtflair. Besonders beeindruckend sind die riesigen Einkaufszentren, aber auch die zahlreichen Parks und Grünflächen, die überall in der Stadt zu finden sind. Am schönsten ist der „East Lake“, an dem sich auch die Wuhan Universität befindet. Das weitläufige Gelände lässt sich am besten mit einem Fahrrad erkunden, das man überall ausleihen kann. Gerade im Frühling, wenn die Kirschblüten blühen, ist der „East Lake“ ein schönes Ausflugsziel.

Auch abseits davon gibt es in Wuhan viel zu entdecken. Entlang des „Jangtsekiang“ und des „Han-Flusses“ verläuft eine Promenade, die sich hervorragend zum Spazierengehen eignet. Viele Menschen kommen dorthin, um sich zu entspannen oder Drachen steigen zu lassen. Besonders schön ist der Weg über die „Jianghan Road Pedestrian Street“, eine über 1,5 Kilometer lange Einkaufsstraße mit unzähligen Läden, Ständen und Cafés.

Live Performance am East Lake in Wuhan zur Kirschblütenzeit

Live Performance am East Lake in Wuhan zur Kirschblütenzeit

Auch kulinarisch hat Wuhan viel zu bieten. Direkt vor dem Campus gibt es eine Streetfood-Straße mit einer großen Auswahl an Gerichten, von handgezogenen Nudeln über gegrillte Spieße bis hin zu „Dumplings“. Auf dem Campus selbst gibt es außerdem einen Sportplatz, auf dem abends meist Basketball oder Badminton gespielt wird, sowie ein kleines Gym. Wer noch etwas essen oder trinken möchte, findet dort auch einen „Lawson-Convenience-Store“ und „Bubble-Tea-Läden“. Obst gibt es überall in großer Auswahl und zu günstigen Preisen.

Die Metrostation ist nicht weit vom Campus entfernt und macht es leicht, die Stadt zu erkunden. Der „Yellow Crane Tower“ ist in etwa 30 Minuten erreichbar und bietet nicht nur einen Einblick in die Kultur der Stadt, sondern auch einen schönen Blick über Wuhan. Insgesamt waren die Menschen in der Stadt sehr hilfsbereit und herzlich, auch wenn es manchmal, etwa beim Bezahlen am Getränkeautomaten, zu kleinen Verständigungsproblemen kam.

Praktisch sind außerdem die Waschmaschinen auf dem Campus, die sehr günstig sind. Außerhalb des Campus gibt es zwar auch Wäschereien, diese sind jedoch deutlich teurer.

Aktivitäten in China

China bietet unzählige Möglichkeiten. Sei es Wandern, Städte oder Kultur. Das Land ist so groß, dass man eine riesige Auswahl an möglichen Trips hat. Für jeden wird etwas dabei sein, das einen glücklich macht.

Während der Famulatur hatte die Universität über die DCGM einen Stadtausflug nach „Nanchang“ organisiert. Verpflegung, Unterkunft und Tagespläne wurden von der Universität gestellt. Dadurch konnte man nicht nur kulinarisch Neues ausprobieren, sondern auch Kultur und Geschichte der Stadt erleben. Eines der Highlights war unter anderem der Besuch der „China Resources Jiangzhong Pharmaceutical Valley“, ein hochmoderner Produktions- und Forschungsstandort, um einen Einblick zu bekommen, wie Medikamente für die TCM hergestellt werden, sowie der Besuch der Gedenkstätten „Nanchang Uprising Memorial Tower & Hall“.

Grandiose Glasbrücke in Zhangjiajie – China

Grandiose Glasbrücke in Zhangjiajie – China

Darüber hinaus habe ich mit anderen Famulanten an zwei Wochenenden Ausflüge in andere Orte gemacht. Zum einen war das der „Zhangjiajie-Nationalpark“, der bekannt ist für die „Avatar Mountains“, die damals längste Glasbrücke der Welt und den riesigen Nationalpark. Ein Traum für jeden, der wandern will und die Naturseite Chinas sehen möchte. Der Weg und die Wanderung auf den „Tianmen Mountain“ waren mein Highlight des Ortes. Die 999 Treppenstufen nach oben zu laufen und dabei den Blick auf die Berge zu genießen, war etwas ganz Besonderes. Auf 1.500 Metern Höhe eine Wanderung um die Berge mit gläsernen kleinen Abschnitten und Aussichtspunkten zu machen, um die Sicht zu genießen, war etwas, das ich so noch nicht erlebt habe!

Tianmen Mountain in Zhangjiajie China und seine 999 Treppenstufen zum Himmelstor

Tianmen Mountain in Zhangjiajie China und seine 999 Treppenstufen zum Himmelstor

Ein anderer Ort war „Chongqing“, das den meisten unter dem Namen „Cyberpunk City“ bekannt ist. Viele Hochhäuser, vertikale Bauten und unzählige Treppen erwarteten mich dort. „Hongya Cave“, „Jiefangbei Pedestrian Street“, „Raffles City“ und „Chaotianmen Square“, um nur ein paar zu nennen, und noch so vieles mehr gibt es dort zu sehen. Sehr scharfes Essen von morgens bis abends, „Hot Pot“, der glühend rot war, oder sogar frittierte Insekten waren hier zu finden. Es war unglaublich, mit eigenen Augen zu sehen, welche Bauten dort zu finden sind und wie kontrastreich die Stadt zu Wuhan wirkt. Gleichzeitig war es aber auch voller Menschen, die denselben Gedanken hatten.

Beide genannten Orte sind definitiv empfehlenswert, falls man in China nach solchen Reisezielen sucht.

Persönliche Tipps

Zuletzt noch einige persönliche Tipps für eine Famulatur in China oder generell, wenn man in China ist. 

Internet über „eSIM“ ist notwendig. Es ist alles digital und es wird fast ausschließlich per Handy bezahlt. „Alipay“ oder „WeChat Pay“ sind die gängigen Optionen. Da das Internet dort zensiert ist, ist eine „eSIM“ sinnvoll, wenn man westliche Apps wie Instagram, WhatsApp oder auch Google nutzen möchte.

„WeChat“ ist ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Für die Anmeldung ist die Verifizierung des Accounts erforderlich, die durch das Scannen und Verifizieren Deines Accounts durch eine andere Person erfolgt. 

Als Alternative zu Google Maps gibt es „Apple Karten“ oder „AMap“. Beide sind gute Optionen, um sich in China zu orientieren. 

Die Metrostationen sind deutlich größer und haben sogar eine Sicherheitskontrolle, bevor man hineingehen kann. Bis auf Wasserflaschen, die gesondert kontrolliert werden, ist das aber eine schnelle Kontrolle, die nicht allzu sehr stört.

Wer innerhalb Chinas reisen möchte, hat die Option, mit dem Schnellzug zu fahren oder dem Flugzeug zu fliegen. Das muss jeder selbst entscheiden, was wem lieber ist. Flugtickets innerhalb Chinas waren teils günstiger oder man war deutlich schneller am Ziel. Beides konnte man gut über „Trip.com“ buchen. Am besten sind dennoch die chinesischen Zug-Apps wie die „12306 China Railway App“, zumindest für alle, die es sich zutrauen, die App auf Chinesisch zu nutzen.

Atemberaubende-Drohnenshow-in-Chongqing-China

Atemberaubende Drohnenshow in Chongqing, China

Als Vegetarier oder Veganer ist es deutlich schwerer, passendes Essen zu finden. Es ist möglich, aber die Auswahl ist deutlich geringer, und man muss genau hinschauen, ob es wirklich ohne Fleisch oder andere tierische Produkte ist, da viele Gerichte auf den ersten Blick so wirken, als wären sie vegetarisch.

Viele Attraktionen haben günstigere Ticketoptionen für Studenten. Diese verlangen aber meist, dass man Bachelor-Student ist. Master-Studierende bekommen keinen Rabatt. Besonders für Medizinstudierende war dies ein Problem, da wir weder Bachelor noch Master haben und man dort nicht weiß, was ein Staatsexamen sein soll. Daher war es meist nicht möglich, den Studentenrabatt zu bekommen.

Mein Fazit

Die Famulatur und die Organisation, in die man dafür Zeit und Mühe investiert, haben sich für mich vollkommen gelohnt. Einen Blick in das chinesische Gesundheitssystem und den Klinikalltag zu bekommen sowie darüber hinaus, China selbst zu erkunden und die Kultur kennenzulernen, ist etwas, das ich in dieser Form vermutlich nie wieder erleben werde.

Der Kontakt zu allen Betreuern, dem International Office und den Ärztinnen/Ärzten war sehr gut! Alle waren immer erreichbar, hilfsbereit und bemüht, dafür zu sorgen, dass man das Land mit schönen Erinnerungen verlässt. Wenn ich die Chance für so eine Famulatur noch einmal hätte, würde ich nicht zögern und es wieder machen!

David P.

Hamburg, Mai 2026