Famulatur in Frankfurt am Main – Rechtsmedizin

Hessen, Frankfurt am Main, Institut für Rechtsmedizin (01.12.-31.12.2025)

Im Dezember 2025 absolvierte ich eine Famulatur am Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main. Im Folgenden werde ich näher auf den konkreten Tagesablauf und meine jeweiligen Erfahrungen eingehen als auch meine persönlichen Tipps weitergeben. Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich eine Famulatur in der Rechtsmedizin in Frankfurt am Main absolvieren konnte.

Einführung und Bewerbung

In der Zeit vom 01.12.2025 bis zum 31.12.2025 habe ich im Rahmen meines Medizinstudiums eine Famulatur in der Rechtsmedizin in Frankfurt am Main absolviert. Bewerben muss man sich hierfür, je nach aktueller Nachfrage von Medizinstudierenden, mit einem Vorlauf von ein bis zwei Jahren. Dies liegt vor allem daran, dass es nur wenige Institute für Rechtsmedizin in Hessen gibt, an denen man eine Famulatur absolvieren kann und an der Tatsache, dass in Frankfurt am Main als Beispiel immer nur eine Famulantin/ein Famulant und eine PJlerin/ein PJler zu einem jeweiligen Zeitpunkt gleichzeitig da sind. Dies soll einen jedoch nicht davon abschrecken, sich zu bewerben, denn zwischendurch können immer wieder Medizinstudierende spontan abspringen. 

Blick auf das Universitätsklinikum Frankfurt am Main - Copyright Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Blick auf das Universitätsklinikum Frankfurt am Main – Copyright Universitätsklinikum Frankfurt am Main 

Zum ersten Mal kam ich während des Rechtsmedizin-Unterrichtskurses in Kontakt mit dem Institut für Rechtsmedizin. Obwohl ich vor allem am Anfang viel Überwindung brauchte, konnte ich mich während dieser Zeit schnell für dieses Fach begeistern. Ein Freund und Kommilitone von mir hatte sich bereits ein Jahr vor diesem Kurs für eine Famulatur beworben. Nach dem Kurs hatte er jedoch schnell gemerkt, dass dies nichts für ihn wäre. Nach ein paar Austauschen per E-Mail konnte ich seinen Platz übernehmen.

Der Ablauf meiner Famulatur in der Rechtsmedizin

Die jeweiligen Famulaturtage am Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main waren grob in drei Arten aufgeteilt: Sektionen, Tage im Büro mit Außeneinsätzen und „Schnuppertage“ in anderen Abteilungen.

Das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main

Das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main

Während der Sektionstage befindet man sich unten im Saal des Instituts der Rechtsmedizin in der Kennedyallee 104. Während der Tage im Büro mit Außeneinsätzen verbringt man die Zeit im Gebäude in der Kennedyallee 97a und nimmt entweder Termine für Untersuchungen im Büro wahr oder fährt nach Meldungen raus zu Leichenschauen oder Untersuchungs-Diensten. Bei den „Schnuppertagen“ kann man nach vorheriger Absprache einen Tag jeweils zum Beispiel in der Toxikologie oder in der Forensik Abteilung verbringen.

Im Folgenden werde ich näher auf den konkreten Tagesablauf und meine jeweiligen Erfahrungen eingehen.

Sektionen am Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main

Das „Herzstück“ der Famulatur in der Rechtsmedizin und der Ort, wo man die meiste Zeit verbringen wird, sind die Leichensektionen im Sektionssaal im Keller des Rechtsmedizininstitutes. Um 08:00 Uhr musste man dafür da sein. Im Durchschnitt assistierte man pro Tag bei drei Sektionen, sodass man gegen 15:00 Uhr meistens fertig war und nach Hause gehen konnte. Zwischen den Sektionen hatte man kleine Pausen, die man zum Ausruhen oder zum Essen und Trinken nutzen konnte. Wenn man morgens ankam, zog man sich erstmal um, Kasacks wurden hierfür bereitgelegt. Mit den mitgebrachten Schuhen konnte man sich dann im Pausenbereich und allen anderen Orten frei bewegen. Bevor man in den Sektionssaal eintrat, wechselte man auf ein anderes Paar Schlappen um, die extra dafür parat lagen. Ich würde empfehlen ein paar alte Schuhe mitzubringen, da man auch in Räumen außerhalb des Sektionssaales mit Leichenflüssigkeiten in Berührung kam. 

Der erste Tag im Sektionssaal war für mich ein Sprung ins kalte Wasser. In seiner Mitte befanden sich, mit einem Abstand von ein paar Metern, zwei Metalltische, jeweils mit einem Waschbecken an ihrem Ende. Diese kennt man vielleicht schon aus dem „Tatort“ oder anderen Krimiserien. An den Wänden des Raumes befanden sich neben Tischen mit Werkzeugen und PCs darauf, Schränke, in denen man Handschuhe und andere Hilfsmittel finden konnte.

Als ich den Raum am ersten Tag betrat, lagen bereits zwei Leichen auf den Metalltischen. Ich zog mir einen Mundschutz, eine Plastikschürze und ein doppeltes Paar Handschuhe mit Schnittschutz zwischen den zwei Lagen an. Kurz danach fingen schon die Sektionen an. Als erstes wurde hierbei der Leichnam von außen sorgfältig inspiziert. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, dass jede Körperfläche gut gesehen wird. Die Beweglichkeit der einzelnen Gliedmaße wurde geprüft, EKG-Sonden oder jegliches andere noch anhaftende medizinische Material entfernt, Wertgegenstände abgenommen und gesondert aufbewahrt.

Nach der äußeren Leichenschau wurden die drei Körperhöhlen freigelegt. Dazu zählt die Eröffnung des Schädeldaches und des Brust- und Bauchraumes. Im Verlauf der Sektion wurde jedes Organ herausgenommen und sorgfältig untersucht. Am Ende wurde alles wieder in den Körper zurückgelegt und der Leichnam zugenäht. Wer Interesse am genauen Verlauf von Sektionen oder an der Rechtsmedizin im Allgemeinen hat, kann sich hierzu auf Youtube Videos von Prof. Dr. Michael Tsokos ansehen.

Sobald man sich bereit fühlte, wurde man als Famulant bei der Arbeit mitintegriert. So konnte ich im Verlauf meiner Famulatur fast alle Schritte der Sektion mindestens selbst einmal durchführen. Das fand ich wirklich cool, da ich aus anderen Famulaturen leider bereits gewohnt war, oft nur zuzusehen, nicht aber selbst praktische Erfahrungen sammeln zu können.

Einen persönlichen Tipp würde ich an dieser Stelle gerne weitergeben: Allen denjenigen, die keine Brille tragen, würde ich sehr stark empfehlen, eine Schutzbrille während der Sektionen zu tragen! Besonders beim Zunähen der Leichen kann es passieren, dass durch ruckartige Bewegungen Körperflüssigkeiten herumfliegen. Die Brille soll davor schützen, dass diese nicht in die Augen gelangen.

Viele Menschen fühlen sich durch den Geruch von der Rechtsmedizin abgeschreckt. Bei jeder Sektion ist das Tragen einer Gesichtsmaske obligat, diese schirmt jedoch in einzelnen Fällen nur schlecht den Geruch ab. Einige meiner Kommiliton*innen haben versucht, durch das Kauen von Kaugummi oder das Auftragen von Minze unter der Maske den Geruch zu vermindern. Beide Maßnahmen würde ich nicht empfehlen, da der Geruch trotz allem nicht vollständig abgewehrt werden kann. Mir hat vor allem geholfen, so viel wie es geht, durch die Nase zu atmen und sich möglichst durch die Arbeit abzulenken. So passiert es, dass man sich nach und nach daran gewöhnt. Sollte es einem jedoch schwerfallen, kann man zwischendurch durch den Mund atmen oder eine kurze Pause einlegen. Damit sich der Geruch nicht zu stark in den Haaren verfängt, kann man während der Sektion eine Haube tragen. Schlussendlich hilft jedoch am besten, sich zu duschen, nachdem man zuhause angekommen ist.

Hin und wieder werden leider auch Kinder und Säuglinge seziert. Hier würde ich jedem empfehlen, auf seine eigenen Gefühle zu hören. Keiner macht einem Vorwürfe, wenn man eine Sektion aussetzen möchte.

Bürotage mit Außeneinsätzen

Während der Tage im Büro befindet man sich in der Kennedyallee 97a. Dort hat man seinen eigenen PC und bekommt alte Akten bereitgestellt. Über den PC kann man sich alle Sektionen und alle Außeneinsätze anschauen, bei welchen die Rechtsmedizin Frankfurt am Main in den letzten Jahren mitgewirkt hat. Unter anderem waren dies Mordfälle, Gewalttaten, Missbrauchsfälle etc. Diese sind meist begleitet von Fotos.
Auch an diesen Tagen beginnt der Dienst um 08:00 Uhr und kann, je nachdem wo und wann man Einsätze hat, länger als 16:00 Uhr gehen.  An manchen Tagen kann jedoch auch nichts passieren, wodurch man den ganzen Tag im Büro sitzt und sich alte Fälle ansieht.

Während meiner Famulatur hatte ich des Öfteren Leichenschaueinsätze. Diese waren meist relativ „normal“ und hatten Ähnlichkeit mit denen während meines Allgemeinmedizin Praktikums. Hin und wieder kann man jedoch auch zu besonderen Fällen gerufen werden. So konnte ich einen Fall begleiten, bei dem tragischerweise eine Person ums Leben gekommen ist, weil ihr Bett durch Zigaretten angefangen hatte zu brennen. Bei diesem Einsatz waren auch die Polizei und die Forensik mit dabei. Die Mitarbeiter beider Teams waren sehr freundlich, wodurch ich viele Fragen stellen und ihnen bei der Arbeit zugucken konnte.

Ich würde empfehlen, vor dem Betreten einer Wohnung zur Leichenschau die Jacke im Auto zu lassen und nur das Allernötigste mitzunehmen. Öfters findet man keinen geeigneten Platz, seine Sachen hinzulegen, um freie Hände zu haben.

Hin und wieder hat man auch Untersuchungsdienst Einsätze, bei denen die Rechtsmedizin Befunde am Körper von Opfern inspiziert und dokumentiert, um diese dann anschließend mit einem vermeintlichen Tathergang zu vergleichen. Ich war bei einem Verdacht auf Kindesmissbrauch und bei einer Dokumentation von körperlicher Gewalt mit anwesend. Auch hier würde ich jedem empfehlen, auf seine eigenen Gefühle zu hören und nur das mitzumachen, wozu man sich bereit fühlt.

Ein weiteres Außeneinsatzgebiet sind die Krematorien. Dort wird man hin gerufen, um vor der Einäscherung eine zweite Leichenschau durchzuführen. Das erste Mal dort zu sein, war für mich eine sehr surreale Erfahrung. Die Leichen werden in großen Kühlräumen aufbewahrt, in denen man sie untersucht und die Dokumente mit den Leichnamen abgleicht. Ich hatte zuerst ein sehr mulmiges Gefühl, in einem Raum mit 26 Leichen zu sein. Nach einer Weile verflogt jedoch das Gefühl und ich konnte während der Zeit dort viel lernen.

„Schnuppertage“ in Bereichen mit engen Kontakten zur Rechtsmedizin

Neben den Tagen in den Sektionssälen und den Tagen, welche man im Büro verbringt oder zu Außeneinsätzen fährt, wird man auch einzelne Tage In Bereichen verbringen, welche engen Kontakt zu der Rechtsmedizin haben.

So ist fest eingeplant, dass man einen Tag mit zum Gericht kommt, um sich einen Prozess anzugucken. So war ich im Amtsgericht Frankfurt am Main bei einem Prozess, eine Messerstichattacke betreffend, mit dabei. Anscheinend kann man auch als Zivilist an solchen Prozessen teilnehmen, deshalb habe ich einen Freund mitgebracht, welcher auch Interesse hieran hatte. Die Rechtsmedizinerin, welche ich an diesem Tag begleitet habe, hatte mich während unserer Fahrt dorthin über den Fall aufgeklärt. Im Verlauf der Anhörung, wurde sie aufgerufen, um über die Verletzungen des Opfers zu sprechen und zu bewerten, inwiefern diese mit den Aussagen des Täters über den Tatvorgang übereinstimmten. Bei unserem Fall hat dies tatsächlich nicht gut gepasst. Der Täte hatte behauptet, er habe eine Art Hiebbewegung mit dem Messer ausgeführt, wohingegen die Wunden des Opfers eher auf eine Stichbewegung schließen ließen. 


Nach ihrer Aussage ist die Rechtsmedizinerin wieder zu ihrer Arbeit ins Büro zurückgekehrt. Ich blieb im Gerichtssaal, um mir noch den Rest des Prozesses anzusehen.

Aus eigenem Interesse hatte ich im Laufe meiner Famulatur auch angefragt, einen Tag in der Entomologie (Insektenkunde) zu verbringen. Diese beschäftigt sich vor allem mit der Fragestellung über Insektenbesiedelung von Leichen und welche Rückfolgerungen wir auf Basis dessen auf Liegezeit, Liege Ort etc. eines Leichnams treffen können. So war ich während eines Vormittags in einem kleinen Labor in einer Ecke des Instituts für Rechtsmedizin, wo zwei Doktoranten damit beschäftigt waren, Fliegen anzuzüchten. Am Nachmittag gab mir der Leiter der Abteilung in einem Gespräch eine Einführung in das Gebiet der Entomologie und ich konnte danach meine Fragen stellen.

Mein Fazit

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich eine Famulatur in der Rechtsmedizin in Frankfurt am Main absolvieren konnte. Trotz viel Stress auf der Arbeit waren die meisten Ärzt*innen und Mitarbeiter*innen sehr freundlich, wodurch ich wirklich viel im Verlauf des Monats mitnehmen konnte. Im Vergleich zu anderen Famulaturen ist mir besonders positiv aufgefallen, wie viel man selbst von Tag eins an mitmachen durfte. Aufgrund der Tatsache, dass nur eine Famulantin/ein Famulant, gegebenenfalls mit einer PJlerin/einem PJler, im Institut der Rechtsmedizin zur gleichen Zeit sind, hat man viele Möglichkeiten, den Ablauf des Rechtsmedizinpraktikums selbst mitzubestimmen und anzupassen.

Der Ort meiner interessanten Famulatur - das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main

Der Ort meiner interessanten Famulatur – das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main

Man muss sich jedoch klar bewusst machen, worauf man sich einlässt. Ich hatte vor allem aufgrund meiner Erfahrungen in den Rechtsmedizin Unterrichtskursen Angst, dass ich mich nicht an den Geruch gewöhnen könnte, dass ehrlich gesagt, die Sektionen zu „krass“ und überwältigend für mich sein und mir manche Dinge zu sehr ans Herz gehen würden. Diese Befürchtungen haben sich jedoch in den meisten Fällen nicht bestätigt. An dieser Stelle will ich nochmal wiederholen, dass man zu nichts gezwungen wird, alles ist freiwillig und jeder hat Verständnis.

Meine persönlichen Tipps für die Famulatur wären zusammengefasst:

  • Ein paar alte Schuhe mitnehmen, sowohl für die Tage der Sektionen, um sich frei in allen Räumen außerhalb des Sektionssaales zu bewegen, als auch für die Tage, an denen man zu Leichenschauen rausfährt oder ins Krematorium geht.
  • Bei den Sektionen immer eine Brille und Schutzhandschuhe zu tragen – zumindest mit der Hand, mit welcher man nicht die Klinge hält.
  • Während Sektionen von verwesten Leichnamen eine chirurgische Kappe zu tragen – hilft mehr oder weniger.
  • Jacke bei Außeneinsätzen im Auto lassen.
  • Eine spannende Famulatur haben!

E., K.

Frankfurt am Main, Februar 2026


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