Samoa, Apia, Tupua Tamasese Meaole Hospital (01.09.-30.09.2025)
Ich habe meine Famulatur in Samoa vom 01.–30.09.2025 am Tupua Tamasese Meaole Hospital in Apia absolviert. Auf Samoa war ich eher zufällig gekommen, da ich eigentlich nach Neuseeland wollte. Als sich dies allerdings als etwas schwierig herausgestellt hatte, hatte ein neuseeländischer Arzt, dem ich geschrieben hatte, mir Samoa als Alternative vorgeschlagen. Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir diese Vorstellung und ich habe mich beworben. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, da die Erfahrung in Samoa wirklich ganz besonders, spannend und einfach wertvoll war!
Meine Bewerbung
Der Bewerbungsprozess war super einfach. Ich hatte online ein paar Erfahrungsberichte gefunden, die eine Mitarbeiterin der Medical School der National University of Samoa als Ansprechpartnerin nannten. Als ich ihr eine Mail geschrieben habe, habe ich direkt am nächsten Tag eine Antwort bekommen mit einem Bewerbungsformular. Darin musste ich lediglich meine Daten und meine Wunschabteilung angeben. Außerdem sollte ich noch ein Schreiben meiner Universität zusenden, woraus hervorgehe, was laut unserem Curriculum in Famulaturen vermittelt werden soll. Die Zusage für meine Famulatur habe ich dann schon vier Tage später erhalten (21.05.).

Die Medical School der National University of Samoa
Die Vorbereitungen für meine Famulatur auf Samoa
Das „Schwierigste“ bei meinen Vorbereitungen war, rechtzeitig das Visum zu bekommen. Eigentlich hatte ich gar nicht damit gerechnet, ein Visum zu brauchen, hatte aber vorsichtshalber bei der Botschaft nachgefragt und dort dann die Info erhalten, dass ich eine „Temporary Residence Permit“ beantragen müsse. Alle Unterlagen dafür sollten per Post (!!) an die Botschaft in Brüssel geschickt werden, wo dann alles eingescannt und nach Samoa geschickt wurde. Die Bearbeitungszeit war auf acht Wochen geschätzt. Bei mir hat es dann sogar etwas länger gedauert und war am Ende wirklich knapp. Letztlich hat man mir die „Temporary Residence Permit“ dann aber doch noch am Tag meiner Einreise per Mail geschickt.
Außerdem hatte ich mich als „Vorbereitung“ gegen Typhus impfen lassen und mich auch mit reichlich Mückenspray eingedeckt, da das Denguefieber in Samoa ziemlich präsent ist. Bevor ich angekommen bin, waren die Schulen wegen einem größeren Ausbruch für einige Wochen geschlossen.

Der Blick vom Balkon meiner Unterkunft auf Samoa
Schließlich musste ich noch eine Unterkunft finden, was dadurch etwas erschwert wurde, dass in Samoa nicht viel online gemacht wird. Die Unterkünfte, die mir von der Universität empfohlen worden waren, waren online alle nicht buchbar, weder über ein Portal noch direkt über eine eigene Website. Da Mailadressen oft auch nicht funktioniert haben und ich über meinen Telefonanbieter auch keine Anrufe nach Samoa machen konnte, habe ich letztlich ein Airbnb gebucht. Später habe ich von einem anderen Studenten gehört, dass er die Tochter der Besitzerin der Unterkunft auf Facebook angeschrieben hatte, um die Unterkunft zu buchen.
Das Airbnb war etwas weiter entfernt von der Klinik als die empfohlenen Unterkünfte, aber ich war trotzdem super zufrieden damit („Eddie’s Homestay“). Es war ein richtig großes Haus mit wunderschönem Garten und Balkon. Eine Einheimische hat im Erdgeschoss gewohnt und die Zimmer im oberen Stockwerk über Airbnb vermietet.
Mein erster Tag am Tupua Tamasese Meaole Hospital
An meinem ersten Tag am Tupua Tamasese Meaole Hospital in Apia sollte ich mich bei meiner Ansprechpartnerin melden. Man musste vor Ort noch eine Gebühr in bar bezahlen (700 Tala). Danach brachte sie mich und eine andere Medizinstudentin aus England auf die entsprechenden Stationen des Hospitals. Leider hatte ich missverstanden, in welcher Abteilung ich sein würde. Ich dachte, ich wäre für Anästhesie und Intensivmedizin eingeplant, wie es mein Wunsch gewesen wäre, aber offenbar hatte ich das bei der Bestätigung missverstanden. Ich war zwei Wochen für die Notaufnahme und zwei Wochen für Innere Medizin eingeplant.
Der erste Tag in der Notaufnahme war ziemlich zäh. Alle vor Ort waren zwar super nett, aber es hat niemanden wirklich interessiert, dass man da war. Es war auch ein neuseeländischer Medizinstudent in der Notaufnahme, der mir alles ein bisschen gezeigt hat, aber auch meinte, dass das in der Notaufnahme immer so sei. Wenn man dort etwas machen möchte, müsse man sehr viel Eigeninitiative zeigen und wirklich aktiv Ärzt*innen immer wieder ansprechen und viel hinterherlaufen. Im Verlauf des Tages habe ich noch weitere Medizinstudierende aus Neuseeland getroffen und zudem eine deutsche Medizinstudentin, die gerade zwei Monate ihres PJs dort verbracht hatte.

Das Tupua Tamasese Meaole Hospital in Apia auf Samoa
Es war wirklich schön, dass dort so viele andere Studierende waren und man sich gut connecten konnte, um an den Wochenenden etwas zusammen zu unternehmen. In meinen vier Wochen Famulatur habe ich aber auch immer mal wieder einheimische Medizinstudierende getroffen. Sich mit ihnen auszutauschen und dabei Einblicke darin zu bekommen, wie ein Medizinstudium in Samoa aussieht, war richtig cool.
Meine Famulatur in der Anästhesie
Am nächsten Tag kam eine der anderen Studentinnen auf mich zu, die gerade in der Anästhesie war. Sie hatte mitbekommen, dass ich eigentlich gerne Anästhesie gemacht hätte. Da sie gerne die letzten zwei Wochen in der Notaufnahme machen wollte, haben wir einfach getauscht.
So konnte ich doch noch den OP-Bereich kennenlernen, was richtig toll war. Es war alles wirklich sehr anders dort, aber gerade das war auch so spannend. Vieles wurde mit einfacheren Mitteln gemacht. Es gab z.B. keine richtige OP-Schleuse, man ging einfach in seiner normalen Kleidung in den OP-Bereich, wo es dann einen kleinen Umkleideraum gab. Arbeitskleidung wurde selbst im OP nicht gestellt. Es war also immer ein ziemlich buntes Bild an verschiedenster Arbeitskleidung. Im Flur gab es dann einen alten Spind, wo es Hauben und Schuhüberzieher gab. Die Menschen in Samoa leben in Flipflops, die auch im OP nicht ausgezogen wurden, sondern einfach Schuhüberzieher darüber gezogen wurden. Auf dem Boden zu sitzen, war total normal, Desinfektionsmittel musste man wirklich suchen und statt Stauschläuchen wurden Handschuhe verwendet, sogar, wenn seltenerweise mal ein Stauschlauch vorhanden war.
Morgens wurde immer der OP-Plan für den Tag ausgedruckt und an eine Tür gehängt, wobei dann aber meist ständig etwas verschoben wurde und man vor lauter hinzugefügten Pfeilen und Markierungen nicht mehr wirklich durchgeblickt hat. Bevor man angefangen hat, was eigentlich nie vor 09:30 Uhr war, wurde immer gebetet. Religion und Familie schienen zwei sehr wichtige Dinge zu sein. Der Sonntag als Ruhetag wurde auch wirklich wortwörtlich genommen. Außer mit der Familie in die Kirche zu gehen, gefolgt von einem großen Familienmittagessen wurde sonntags wirklich nichts gemacht.
Bei den OPs habe ich hauptsächlich zugeschaut und mit den Anästhesist*innen die Medikamente und andere Anästhesie-Themen besprochen. Am letzten Tag hat mich eine Anästhesistin unter ihrer Anleitung die Spinalanästhesie machen lassen, was wirklich cool war. Auffallend war die sehr hohe Amputationsrate aufgrund von Diabetes. In einem OP wurden fast den ganzen Tag nur Amputationen durchgeführt, was wirklich interessant war zu sehen, denn die Knochen wurden dort „manuell“ gesägt mit einem Drahtseil. Prothesenversorgung schien es allerdings nicht zu geben. Eine Ärztin aus der Inneren hat mir später erzählt, dass es in Samoa wohl große Compliance Probleme gibt. Die Menschen haben oft kein großes Vertrauen in die Medizin und kommen nur ins Krankenhaus, wenn es ganz schlimm ist. Medikamente, die langfristig eingenommen werden müssen, werden oft nicht mehr eingenommen, sobald es keine Symptome mehr gibt. Außerdem haben einige Menschen aber auch nicht genug finanzielle Mittel, um zur Klinik fahren zu können.
Insgesamt habe ich die Stimmung im OP als deutlich entspannter empfunden im Vergleich zu Deutschland. Im OP lief immer Musik, es wurde viel getanzt und mitgesungen. Aber auch die Patient*innen waren ziemlich entspannt, so z.B. im Umgang mit Schmerzen, aber auch mit Spinalanästhesie. Es wurden sehr viele Eingriffe unter Spinalanästhesie gemacht und ich habe immer wieder gestaunt, wie locker die Patienten damit umgegangen sind. An zwei Tagen war auch ein australisches OP-Team vor Ort, das handchirurgische Eingriffe gemacht hat. Die Ärzt*innen aus diesem Team haben ebenfalls erzählt, dass sie die samoanischen Patient*innen als sehr entspannt im Umgang mit Schmerzen erlebt haben.
Mittwochs gab es immer eine „CME“ (Continuing Medical Education) für das gesamte Personal der Klinik. Alle, die Zeit hatten, konnten kommen und sich den Vortrag anhören. Dabei ging es meist entweder um ein bestimmtes Krankheitsbild, wie z.B. Dengue-Fieber oder Tuberkulose oder um die Abteilungen/die Arbeit von ausländischen Teams, die gerade zu Gast waren. Es waren z.B. Ärzt*innen aus den USA, Australien, Neuseeland und anderen Pazifik-Inseln zu Gast und haben eine Weile in der Klinik mitgearbeitet.
Wechsel auf die Innere Medizin
Nach zwei Wochen Anästhesie kamen dann noch zwei Wochen auf der Inneren Medizin. Ich hatte einen anderen deutschen Medizinstudenten getroffen, der zu dem Zeitpunkt, an dem ich auf der Inneren angefangen habe, schon eine Woche dort war. Das war ziemlich hilfreich, weil ich keine Einführung oder Vorstellung oder so bekommen habe. Am ersten Tag wusste ich daher nicht so richtig, an wen ich mich wenden muss und habe mich einfach an den anderen deutschen Medizinstudenten gehängt. PJ-Studierende wurden, anders als Famulant*innen, fest einem bestimmten Arzt oder einer bestimmten Ärztin zugeteilt. Die Ärztin, der er zugeteilt war, hat mich dann einfach mit „aufgenommen“ sozusagen.
Wir sind dann jeden Morgen mit ihr auf Visite gegangen und waren nachmittags bei ihrer Sprechstunde mit dabei. Sie hatte einmal die Woche Gerinnungssprechstunde und zweimal die Woche „normale“ Sprechstunde, was im Prinzip ähnlich wie eine Hausarztsprechstunde war. Dazwischen haben wir gelegentlich Blut abgenommen, Patientenakten durchgesehen, Papierkram ausgefüllt oder einfach eine etwas längere Mittagspause gehabt. Es wurde dort übrigens alles!! handschriftlich auf Papier gemacht. Auf der gesamten Station gab es einen einzigen Computer, der allerdings kaum verwendet wurde.
Auch hier ist mir aufgefallen, wie wichtig Religion und Familie in Samoa sind. Gebetet wurde hier morgens ebenfalls immer und teilweise dabei auch mehrstimmig gesungen, was ich wirklich beeindruckend fand. Die Patientenzimmer waren im Vergleich zu Deutschland riesig und jedes Bett hatte einen Vorhang rundherum. Besuch von Familienangehörigen war eigentlich immer da und dabei meistens mehr als nur eine Person. Der Besuch hat sich teilweise fast schon häuslich eingerichtet und zudem habe ich einmal während der Visite gesehen, dass jemand auf dem Boden unter dem Patientenbett geschlafen hat!
Freitags fand stets eine große Visitenrunde mit der Chefärztin über die gesamte Station statt und damit nicht nur für die Zimmer, die wir sonst immer mit der Ärztin gemacht haben. Die Chefärztin der Inneren Medizin war super nett und hat den Medizinstudierenden oft viel erklärt. Eigentlich war danach immer noch eine Fallvorstellung vorgesehen. Wir sollten uns eine Patientenakte anschauen und der Ärztin dann vorstellen. Allerdings hat die Ärztin, der wir zugeteilt waren, dies oft kurzfristig abgesagt.
Das Leben auf Samoa
Samoa ist ein sehr kleines Land mit zwei größeren Hauptinseln und einigen kleineren Inseln. Es ist insgesamt ein eher ruhiges und einfaches Leben dort. Es gibt keine wirklichen Städte oder Highways, sondern nur je eine Hauptstraße, die um die Inseln führt und die einzelnen Dörfer miteinander verbindet. Höchstgeschwindigkeit 55 km/h. Um morgens zum Tupua Tamasese Meaole Hospital zu kommen, habe ich immer den Bus genommen. Theoretisch wäre es von der Entfernung her möglich gewesen, zur Klinik zu laufen, aber es war wirklich extrem heiß, sodass man tagsüber eigentlich keine längeren Strecken laufen konnte.
Busfahren in Samoa ist definitiv eine Erfahrung. Ich fand es eigentlich ganz cool, zumindest für kurze Strecken, aber die meisten anderen Medizinstudierenden haben das immer zu vermeiden versucht. Es gab keine festen Fahrpläne, man hat einfach irgendwo an der Strecke gewartet und dem Fahrer/der Fahrerin gewunken, wenn man mitfahren wollte. Wollte man aussteigen, klopfte man mit Münzen an die Scheibe und hat dann beim Aussteigen bar bezahlt. Jede Fahrt innerhalb der Stadt hat 1 Tala gekostet. Die stets sehr laute Musik im Bus hat einen auf jeden Fall wach werden lassen. Es hat sich immer ein bisschen wie ein Party-Bus angefühlt und die Musik war meistens etwas Reggae-Mäßiges, was irgendwie eine coole Stimmung machte.

Typischer Bus auf Samoa
Wenn keine Busse fuhren, immer am Wochenende und unter der Woche ab ca. 16:00 Uhr, habe ich ein Taxi genommen. Das war das Hauptfortbewegungsmittel, wenn man kein eigenes Auto hat. Denn auch, wenn es abends von den Temperaturen her durchaus möglich gewesen wäre, zu laufen, waren Straßenhunde ein weiterer Grund, nicht zu weite Strecken zu Fuß zu gehen. Schon bei meiner ersten Taxifahrt vom Flughafen zur Unterkunft hatte mich der Taxifahrer vor den wirklich überall rumlaufenden und teils ziemlich aggressiven Straßenhunden gewarnt. Die Einheimische in meinem Airbnb hatte mir empfohlen, immer einen Stock oder Regenschirm zur Abwehr dabei zu haben.
Was das Essen anging, habe ich meistens nur sehr einfache Sachen gekocht, da die Auswahl im Supermarkt oft sehr klein war. Die Supermärkte auf Samoa waren etwas, woran ich mich wirklich erst etwas gewöhnen musste, da sie trotz großer Hitze nicht klimatisiert waren. Dies hatte teilweise unangenehme Gerüche zur Folge und außerdem gab es einige Produkte, so z.B. Milchprodukte, entweder gar nicht oder nur in sehr geringen Mengen, dann meist aus Neuseeland oder Australien importiert.
Dafür gab es aber einige wirklich gute Restaurants und Cafés, in denen ich sehr oft war, wie z.B. das „Milani Café“, dessen Cupcakes unfassbar lecker waren, das „Phat Burger“, das „Paddles Restaurant“, das „Nourish Café“ oder „Georgies Pizza“. Den typischen „Koko Samoa“, ein speziell zubereiteter Kakao, habe ich natürlich auch probiert. Allerdings hat er seltsamerweise in jedem Café anders geschmeckt und wirklich gut geschmeckt hat mir nur der, den die Einheimische in meinem Airbnb gemacht hat. Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn sie einen gemacht hat.
Samoa – tropische Natur und paradiesische Strände
Um die Insel zu erkunden, habe ich an den Wochenenden mit anderen Medizinstudierenden ein Auto gemietet, um größere Ausflüge zu machen. An einem Wochenende sind wir zu einigen wunderschönen Stränden gefahren und sind im „To-Sua Ocean Trench“ geschwommen.

To Sua Ocean Trench auf Samoa – darin zu schwimmen, war einfach mega
Und wir haben in einer „Fale“, einer typischen samoanische Unterkunft, im Prinzip ähnlich wie ein Pavillon, direkt am Strand übernachtet. Dort gab es an dem Abend auch eine „Fiafia-Night“, bei welcher Live-Musik mit traditionellen Tänzen aufgeführt werden. In Apia waren wir davor auch schon bei einer „Fiafia-Night“ gewesen, die wirklich schön war. An meinem letzten Wochenende auf Samoa waren wir auf der anderen Hauptinsel „Savai’i“. Dort waren wir für zwei Nächte, haben die tropische Natur und die wirklich absolut paradiesischen Strände genossen, bevor es für mich dann noch weiter nach Neuseeland ging.

Fale Übernachtung am Lano Beach auf Samoa
Mein Fazit
Insgesamt kann ich nach meiner Famulatur auf Samoa sagen, dass es eine unglaublich tolle und spannende Erfahrung war, ein anderes Gesundheitssystem, aber natürlich auch ein Land und seine Kultur kennenzulernen, die so anders sind. Ich fand es wahnsinnig bereichernd und kann es jedem nur wärmstens empfehlen, auf Samoa eine Famulatur zu absolvieren.

Einfach traumhaft – der Lalomanu Beach auf Samoa
B., J.
Berlin, März 2026

