Interview: Junge Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika für deutsche Kliniken – eine herausragende Initiative von Interpers

Wie man den Medien schon seit geraumer Zeit entnehmen kann, wächst die Zahl der nicht besetzten Assistenzarztstellen in Deutschland stetig. Auch Fachärzt*innen werden mittlerweile dringend gesucht. Die Zahl der ausländischen Ärzt*innen, die an deutschen Kliniken und in Arztpraxen tätig sind, ist vor diesem Hintergrund in den letzten Jahren stetig gestiegen. – Ein Interview mit Lena Radillo, Leiterin der Vermittlung medizinischer Fachkräfte der Interpers GmbH.  

Der Anteil der in Deutschland tätigen Ärzt*innen aus Lateinamerika war bisher sehr gering. Liebe Frau Radillo, Sie sind bei der Interpers GmbH Leiterin der Vermittlung medizinischer Fachkräfte aus dem Ausland. Zusammen mit Ihrem Team betreuen und unterstützen Sie Ärzt*innen aus Lateinamerika, die gern hierzulande an deutschen Kliniken und in Arztpraxen arbeiten möchten. Wie kam es zu dieser aus meiner Sicht herausragenden Initiative?

Lieber Herr Karle, vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Der ausschlaggebende Grund hierfür war mein Mann, der selbst Arzt aus Mexiko ist. Er musste den Anerkennungsprozess hier in Deutschland durchlaufen und dadurch haben wir viele Bekannte und Freunde aus Lateinamerika gewonnen, die ebenfalls als Ärztinnen/Ärzte in Deutschland Fuß fassen wollten. Dabei tauchten immer wieder die Themen “deutsche Bürokratie” und “schwieriger, langer Prozess” auf. Aufgrund meiner früheren Tätigkeit im Pflegebereich hatte ich von Anfang an den Wunsch, ein Programm zu entwickeln, das Ärztinnen und Ärzten Unterstützung und die Möglichkeit bietet, die Anerkennung hier auf eine “einfachere” Weise zu durchlaufen. Für den Pflegebereich gelten jedoch andere und einfachere Prozesse, welche die Ärzt*innen leider nicht haben. Ich muss gestehen, dass meine Arbeit für mich zu einer Mission geworden ist; es erfüllt mich, “Brückenbauerin” zu sein, und ich bin völlig davon überzeugt, dass die kulturelle Vielfalt aus Lateinamerika hier in Deutschland eine perfekte Ergänzung darstellt.

Da ich selbst über 12 Jahre in Mexiko gelebt habe, ist mir die stark europäisch beeinflusste Kultur besonders nah und bekannt, sodass ich beide Kulturen nicht nur privat, sondern auch beruflich sehr gut verbinden kann.

Junge Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika im Gespräch mit Lena Radillo von der Interpers GmbH

Junge Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika im Gespräch mit Lena Radillo von der Interpers GmbH

Warum sind aus Ihrer Sicht, wie soll man es sagen, gerade Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika so interessant für deutsche Kliniken und Arztpraxen?

Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten. Sie sind sehr anpassungsfähig und lieben unsere Kultur, interessieren sich sehr für unser Land und begeistern sich dafür, hier arbeiten und leben zu können. Auch ist es bei den meisten lateinamerikanischen Ärzt*innen so, dass sie sich voll in ihren Beruf und ihre Berufung einbringen; sie bleiben lieber ein paar Stunden länger, in dem Wissen, dass sie dann am nächsten Tag besser vorbereitet sind. Länger zu bleiben, bis alles erledigt ist, ist in Lateinamerika nichts Ungewöhnliches. Zudem sind sie daran gewöhnt, im Team zu arbeiten und unterstützen sich und andere gerne.

Außerdem sind sie an ein System der Hierarchie gewöhnt, in welchem Assistenzärzt*innen, die bereits weiter in ihrer Weiterbildung sind, die Verantwortung für die “jüngeren” AiWs übernehmen. Sie leiten sie an und geben ihr Wissen weiter. Sie respektieren zudem ihre Kolleg*innen und anderes Personal. Ihre Art ist sehr belebend, sie sind aufmerksam und freuen sich über neue Bekanntschaften. Wie Sie sehen, gibt es viele Vorteile!

Juli 2023 - Junge Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika für deutsche Kliniken - eine Initiative der Interpers GmbH

Juli 2023 – Junge Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika für deutsche Kliniken – eine Initiative der Interpers GmbH

Und warum zieht es auf der anderen Seite eine junge Assistenzärztin, die ihr Medizinstudium in Mexiko abgeschlossen hat oder einen mexikanischen Arzt, der in seinem Heimatland bereits einige Jahre an einer Klinik gearbeitet hat, gerade nach Deutschland?

Leider sind die Arbeitsbedingungen in Lateinamerika sehr schlecht. Die Bezahlung ist unzureichend, und die meisten haben nur 8 bis 14 Tage Urlaub im Jahr. Sie arbeiten 2-3 Tage nacheinander in Schichten, welche oft nicht vergütet werden. Erst nach mehreren Jahren Facharztweiterbildung können sie sich einen Namen machen und durch Empfehlungen an Privatpatienten gelangen. Dann stabilisiert sich die finanzielle Lage etwas. Allerdings sprechen wir hier von mehr als 10–12 Jahren Studium ohne ein angemessenes Gehalt. In den meisten Ländern gibt es nur wenige Plätze für Facharztausbildungen, manchmal müssen sie sogar für diese Plätze bezahlen, und dies ist nicht unbedingt wenig. Ärztin/Arzt zu sein in Lateinamerika, bedeutet wirklich, mit Leib und Seele diesen Beruf ausüben zu wollen. Wer sonst würde einen so langen und harten Studiengang wählen, anstatt Zeit mit der Familie zu verbringen, Urlaub zu machen, zu reisen… – zu leben! Geld ist jedenfalls nicht der Hauptanreiz für Ärzt*innen aus Lateinamerika.

In Deutschland erwartet sie eine wesentlich höhere Lebensqualität, bei der sie fair für Ihren Einsatz entlohnt werden. Auch ist es sicherer in unserem Land. Viele Ärztinnen und Ärzte haben in Lateinamerika eine sehr kritische Sicherheitssituation, wenn sie ihr Praktisches Jahr in abgelegenen Dörfern absolvieren. Oft sind sie dort ungeschützt. Unsere Standards haben für sie einen großen Wert: ein Gehalt, von welchem man gut leben kann, vergütete Schichten, Sicherheit und oft kostenlose Fortbildungen. Sowie genügend Freizeit, um sich regenerieren zu können.

Engagierte Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika - Ihr Ziel eine Anstellung an einer deutschen Klinik

Engagierte Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika – Ihr Ziel eine Anstellung an einer deutschen Klinik

Wie kommt denn das Team von Interpers in Kontakt mit Ärzt*innen aus Lateinamerika, die sich für eine ärztliche Tätigkeit in Deutschland interessieren?

Durch die Nutzung von sozialen Medien wie Instagram, TikTok und Facebook sowie durch Empfehlungen unserer lateinamerikanischen Ärzt*innen, die bereits an einem Programm bei uns teilgenommen haben, erreichen wir Interessenten. Zusätzlich führe ich monatliche Webinare zum Thema “Anerkennung” in den verschiedenen Bundesländern durch.

Ärztliche Tätigkeit in einem anderen als dem Heimatland bedeutet auch erste Hürden! Wie unterstützen und helfen Sie auswanderungswilligen Ärzt*innen aus Lateinamerika bei der Vorbereitung auf eine ärztliche Tätigkeit an deutschen Kliniken? Zum Beispiel, wenn es um die Sprache geht, die Anerkennung des Medizinstudiums, der bisherigen ärztlichen Weiterbildung und Tätigkeit.

Wir haben eine Online-Sprachschule für Lateinamerika gegründet. An dieser können interessierte Ärztinnen und Ärzte äußerst kostengünstige Kurse von A1 bis B2 belegen. Wir bieten sogenannte Stipendien an, welche sie nicht zurückzahlen müssen. Sollten Ärzt*innen bereits an anderen Schulen die Sprache erlernt haben, stellt auch dies kein Problem dar. Sie können dann in eines unserer Programme hier in Deutschland einsteigen. Wir bieten B2- und C1-Kurse sowie einen Vorbereitungskurs auf die erste Prüfung (Fachsprachenprüfung) an. Wir unterstützen bei der Wohnungssuche, helfen bei der Überprüfung von Dokumenten, Übersetzungen, Beglaubigungen und Visa-Anträgen. Vor der Anreise organisieren wir mehrere Online-Zusammenkünfte, um wichtige Punkte zu besprechen. Diesen gesamten Service bieten wir kostenlos an!

Es war mir von Anfang an wichtig, dass die interessierten Ärztinnen/Ärzte gut vorbereitet in Deutschland ankommen und hier lebenslang begleitet werden. Unsere Arbeit endet nicht mit der Vermittlung an eine deutsche Klinik; im Gegenteil, wir sind stets präsent und helfen, wenn Unterstützung benötigt wird. Jeder Ausländer erlebt einen Kulturschock und wir versuchen durch unser Programm, diesen so klein als möglich zu halten. So sind unsere lateinamerikanischen Ärztinnen und Ärzte nicht auf sich allein gestellt und können sich schneller an ihr neues Leben und die neue Kultur gewöhnen.

Gruppe lateinamerikanischer Ärztinnen und Ärzte Juli 2023

Gruppe lateinamerikanischer Ärztinnen und Ärzte Juli 2023

Und wie sieht Ihre Unterstützung bei der Stellensuche und der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch aus?

Wir sind ständig bemüht, Kliniken für unser Projekt zu gewinnen, denn unser Ziel ist es, den Ärzt*innen aus Lateinamerika Arbeitsplätze zu vermitteln, in denen sie Fuß fassen können, sich wohl fühlen und vor allem auch langfristig bleiben wollen. Dabei gehen wir auch auf die Bedürfnisse der Kliniken ein: Wir organisieren Vorstellungsgespräche, stehen in Kontakt mit der Personalabteilung, um sicherzustellen, dass das Dokumentenmanagement ordnungsgemäß erledigt wird, und unterstützen generell bei der Kommunikation zwischen Ärztinnen/Ärzten und Kliniken.

Zusätzlich arbeiten wir mit Partnern zusammen, die ein großes Netzwerk an Kliniken haben, sodass wir unseren Ärzt*innen eine breite Auswahl bieten können, auch hinsichtlich der verschiedenen Bundesländer. Sollten die lateinamerikanischen Ärztinnen und Ärzte Interesse und Bedarf haben, halte ich Webinare zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und biete auch Einzelunterricht an, wenn ich das so formulieren kann.

Herzlich willkommen bei der Interpers GmbH

Herzlich willkommen bei der Interpers GmbH

Das Besondere, ja Einzigartige an der Initiative von Interpers, ist die Rundumbetreuung und -begleitung von Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika bei der Vorbereitung auf eine Tätigkeit in Deutschland – von der individuellen Planung bis hin zur Vermittlung an eine deutsche Klinik.

Ja, das ist korrekt. Die Ärzt*innen müssen zu Beginn ein Sperrkonto für 12 Monate mit 1.000 Euro monatlich nachweisen. Zusätzlich müssen sie für Übersetzungen und Beglaubigungen aufkommen, die Sprachkurse selbst finanzieren, die Krankenversicherung, das Visum usw. bezahlen. Insgesamt kommen sie auf rund 20.000 Euro oder mehr. Wenn man nicht in Euro verdient, sondern in Pesos und dazu noch wenig Einkommen hat, kann man sich vorstellen, welchen Willen es erfordert, zu sparen und hierher zu kommen. Oftmals werden sogar Autos oder andere Besitztümer verkauft, sofern vorhanden. Deshalb bieten wir diesen Ärztinnen/Ärzten unseren Service kostenlos an. Nur die Sprachkurse müssen (noch) selbst bezahlt werden. Auch hier versuchen wir unsere Schule so aufzubauen, dass wir Bildungsgutscheine von der Agentur für Arbeit annehmen können, aber das liegt noch etwas in der Ferne.

Wie ist die Resonanz deutscher Kliniken auf die Bewerbung von Ärztinnen und Ärzten aus Lateinamerika? Was schätzen deutsche Arbeitgeber gerade an diesen Ärzt*innen?

Auch hier kann ich nur Positives berichten. Unsere Ärzt*innen kommen immer sehr gut an! Wir erhalten grundsätzlich nur positives Feedback von den Kliniken und freuen uns gemeinsam mit ihnen, dass es meistens gut passt. Hier betone ich “meistens”, denn nicht immer liegt es an der Ärztin, am Arzt selbst, sondern manchmal daran, dass sie noch keine Approbation erhalten haben. Der Anerkennungsprozess ist langwierig, und selbst wenn sie gut vorbereitet sind, um die Prüfung abzulegen, muss oft lange auf einen Termin gewartet werden. Es gibt jedoch viele Kliniken, die so begeistert von den lateinamerikanischen Ärztinnen und Ärzten sind, dass sie gerne warten, bis sie ihre Prüfung abgeschlossen haben.

Wie können sich an einer Tätigkeit in Deutschland interessierte Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika als auch natürlich deutsche Kliniken bei ihrer Suche nach engagierten Ärzt*innen am besten bei Ihnen melden?

Großes Hallo junger Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika mit Lena Radillo am Stand der Interpers GmbH

Großes Hallo junger Ärztinnen und Ärzte aus Lateinamerika mit Lena Radillo am Stand der Interpers GmbH 


Wir sind per E-Mail oder telefonisch erreichbar unter:

Lena Radillo: l.radillo@interpers.de / +49 15140383582

Peter Beck: p.beck@interpers.de / +49 171 2368235

Logo-Interpers

Gerne vereinbaren wir auch Zoom-Gespräche oder stellen uns und das Projekt persönlich vor Ort vor. Für die interessierten Ärztinnen und Ärzte stehe ich selbst auch gerne über Instagram und andere soziale Medien zur Verfügung! Mich findet man unter dem Namen Lena Radillo auf Instagram, Tiktok und Facebook.

Liebe Frau Radillo, ein ganz herzliches Dankeschön für das sehr interessante Interview. Medizinerlaufbahn.de wünscht Ihnen und dem gesamten Team der Interpers GmbH weiterhin großen Erfolg mit Ihrer wunderbaren Initiative!

Das Interview führte Peter Karle, Medizinerlaufbahn.de